FiDA erweitert Open Banking zu Open Finance. Spar-, Anlage-, Renten- und Versicherungsdaten werden portabel. Wer das als Datenpflicht behandelt, ignoriert da...

Mai 14, 2026
Recht
Aus Open Banking wird Open Finance
FiDA, die Financial Data Access Regulation, ist das nächste große regulatorische Vorhaben im europäischen Finanzsektor. Nach dem Beginn der Trilog-Verhandlungen im Frühjahr 2025 wird die formale Verabschiedung etwa im Jahr 2026 erwartet, mit einer gestaffelten Umsetzung ab etwa 2027. Was PSD2 für die Zahlungskonten leistete, weitet FiDA auf das gesamte Finanzleben aus: Spar-, Anlage-, Renten-, Hypotheken- und Nicht-Lebensversicherungsdaten werden mit Zustimmung des Kunden zwischen Anbietern austauschbar.
Der Zeitplan ist allerdings mit Unsicherheit behaftet, denn das Vorhaben trifft auf erheblichen Widerstand, und die volle Anwendbarkeit könnte sich über mehrere Jahre erstrecken. Doch unabhängig vom genauen Datum ist die Richtung klar: Aus Open Banking wird Open Finance. Die Daten, die heute in den einzelnen Häusern liegen, werden zu kundeneigenen, portablen Daten. Wer das nur als Datenpflicht behandelt, ignoriert die strategische Tragweite.
Was FiDA konkret verlangt
FiDA verpflichtet die Dateninhaber, also die Banken und Versicherer, die Daten ihrer Kunden mit deren Zustimmung über standardisierte Schnittstellen bereitzustellen. Dafür entstehen neue Strukturen: eine neue Kategorie regulierter Datennutzer, sogenannte Permission Dashboards, über die Kunden ihre Datenfreigaben transparent verwalten und jederzeit widerrufen können, und Systeme für den Austausch von Finanzdaten, in denen die Beteiligten Standards, Haftungsregeln und die Vergütung der Datenbereitstellung vereinbaren.
Diese Anforderungen sind technisch anspruchsvoll. Die Daten müssen in Echtzeit über leistungsfähige Schnittstellen bereitgestellt werden, was bei vielen Häusern erhebliche Anpassungen verlangt. Hinzu kommt die organisatorische Aufgabe, sich den Austauschsystemen anzuschließen und die Einwilligungsverwaltung sauber abzubilden. Wer diese Aufgaben nur als technische Pflicht abarbeitet, erfüllt die Vorgaben, aber er nutzt die Chance nicht.
Die Pflicht-Perspektive führt in die Defensive
Viele Häuser betrachten FiDA zunächst als Bedrohung, und das ist nicht unbegründet. Wenn die Daten der Kunden portabel werden, wird es leichter, den Anbieter zu wechseln, und schwerer, Kunden allein durch die Trägheit der Datenbindung zu halten. Ein Kunde, der seine gesamten Finanzdaten mit wenigen Klicks zu einem anderen Anbieter mitnehmen kann, ist weniger gebunden als einer, dessen Daten im alten Haus gefangen sind.
Aus dieser Sicht ist FiDA ein Angriff auf die Kundenbindung, und die defensive Reaktion ist, die Datenpflicht möglichst minimal zu erfüllen und ansonsten zu hoffen, dass die Kunden bleiben. Doch diese Defensive ist eine schwache Position. Sie reagiert auf den Wandel, statt ihn zu gestalten, und sie überlässt das Feld denen, die FiDA offensiv nutzen.
Die Chance-Perspektive dreht das Bild
Wer FiDA als Chance begreift, dreht das Bild um. Denn die Portabilität funktioniert in beide Richtungen. So wie die Kunden ihre Daten aus dem eigenen Haus mitnehmen können, kann das Haus auch die Daten anderer Anbieter erhalten, sofern der Kunde zustimmt. Ein Haus, das diese Daten klug nutzt, kann seinen Kunden ein vollständigeres Bild ihres Finanzlebens bieten und Beratung leisten, die das gesamte Finanzleben einbezieht, nicht nur den Ausschnitt, den das eigene Haus sieht.
Damit entsteht die Möglichkeit, sich vom reinen Produktanbieter zum Begleiter des Finanzlebens zu entwickeln. Ein Kunde, der seinem Haus Zugang zu seinen Daten bei anderen Anbietern gibt, erwartet im Gegenzug einen Mehrwert: eine bessere Übersicht, eine fundiertere Beratung, passendere Angebote. Wer diesen Mehrwert liefert, gewinnt eine neue, tiefere Kundenbeziehung, die nicht auf der Trägheit der Datenbindung beruht, sondern auf echtem Nutzen.
Das verlangt allerdings, die Daten verarbeiten und in Nutzen verwandeln zu können. Die bloße Sammlung von Daten genügt nicht, es kommt darauf an, aus ihnen relevante Erkenntnisse und Angebote zu machen. Genau hier kommt die Fähigkeit ins Spiel, Daten mit modernen Methoden auszuwerten und in personalisierte Angebote zu übersetzen. Wer diese Fähigkeit aufbaut, kann FiDA in einen echten Vorteil verwandeln.
Der Vergleich mit PSD2 als Lehrstück
Um die Tragweite von FiDA zu verstehen, lohnt der Blick zurück auf PSD2. Auch PSD2 wurde zunächst von vielen Banken als lästige Pflicht empfunden, die ihnen den exklusiven Zugang zu den Kontodaten ihrer Kunden nahm. Die Banken, die PSD2 nur als Pflicht abarbeiteten, gewährten den Zugang und verloren einen Teil ihrer exklusiven Position. Die Banken und Drittanbieter, die PSD2 als Chance begriffen, bauten neue Dienste auf den offenen Daten auf und gewannen.
FiDA wiederholt dieses Muster, aber in viel größerem Maßstab. Während PSD2 nur die Zahlungskonten betraf, umfasst FiDA fast das gesamte Finanzleben. Die Lehre aus PSD2 ist deshalb hochrelevant: Wer FiDA nur als Pflicht abarbeitet, wird einen Teil seiner Position verlieren, und wer es als Chance begreift, kann gewinnen. Der Unterschied liegt nicht in der Regulierung, sondern in der Haltung, mit der man ihr begegnet.
Die neuen Anwendungsfälle
Die eigentliche Frage bei FiDA ist nicht, welche Daten verfügbar werden, sondern welche Anwendungsfälle daraus entstehen. Wenn ein Haus mit Zustimmung des Kunden dessen gesamtes Finanzleben überblicken kann, eröffnen sich neue Möglichkeiten der Beratung und des Angebots. Eine Beratung, die das gesamte Vermögen, alle Verträge und die gesamte Vorsorge einbezieht, ist fundierter als eine, die nur den Ausschnitt des eigenen Hauses kennt.
Denkbar sind Übersichten, die dem Kunden sein gesamtes Finanzleben transparent machen, Empfehlungen, die auf der vollständigen Datenlage beruhen, und Angebote, die genau auf die Situation des Kunden zugeschnitten sind. Solche Anwendungsfälle schaffen einen echten Mehrwert, für den der Kunde bereit ist, seine Daten freizugeben. Das ist die positive Seite der Portabilität: Sie ermöglicht Dienste, die ohne den Datenzugang nicht möglich wären.
Entscheidend ist, dass diese Anwendungsfälle im Interesse des Kunden gestaltet werden. Ein Kunde gibt seine Daten nur frei, wenn er einen Nutzen davon hat und der Datennutzung vertraut. Wer die Daten nutzt, um dem Kunden zu helfen, gewinnt sein Vertrauen und seine Daten. Wer sie nutzt, um ihm etwas zu verkaufen, das er nicht braucht, verliert beides. Die Gestaltung der Anwendungsfälle im Kundeninteresse ist deshalb keine moralische Frage, sondern die Voraussetzung des Erfolgs.
Die technische und organisatorische Vorbereitung
Um FiDA als Chance nutzen zu können, müssen Häuser früh die nötigen Fähigkeiten aufbauen. Technisch verlangt das leistungsfähige Schnittstellen, die Daten in Echtzeit bereitstellen und empfangen können, sowie die Fähigkeit, die empfangenen Daten zu verarbeiten und auszuwerten. Organisatorisch verlangt es den Anschluss an die Austauschsysteme und eine saubere Einwilligungsverwaltung.
Diese Vorbereitung braucht Zeit, und sie sollte nicht erst beginnen, wenn die Verordnung formal verabschiedet ist. Die Erfahrung mit PSD2 hat gezeigt, dass die technische Umsetzung anspruchsvoller ist als gedacht und dass die Häuser, die früh begannen, im Vorteil waren. Wer auf die Verabschiedung wartet, verliert die Zeit, in der er die Fähigkeiten aufbauen und die Anwendungsfälle entwickeln könnte, mit denen er später punkten will.
Die Rolle im offenen System bestimmen
Letztlich zwingt FiDA jedes Haus, seine Rolle im offenen Finanzsystem zu bestimmen. Diese Bestimmung sollte aktiv erfolgen, aus den eigenen Stärken heraus, nicht passiv als Reaktion auf die Entwicklung. Ein Haus mit starker Beratungskompetenz kann die Rolle des Begleiters anstreben. Ein Haus mit starker Produktkompetenz kann sich als bevorzugter Produktlieferant positionieren. Ein Haus mit starker Datenkompetenz kann neue datengetriebene Dienste aufbauen.
Was nicht funktioniert, ist die Verweigerung. Das offene Finanzsystem kommt, ob ein Haus will oder nicht, und wer sich ihm verweigert, wird von ihm überholt. Die Frage ist nicht, ob man teilnimmt, sondern in welcher Rolle. Wer diese Frage früh und bewusst beantwortet, gestaltet seine Zukunft im offenen System, statt sie zu erleiden.
Die strategische Grundfrage
FiDA stellt jedes Haus vor eine strategische Grundfrage: Welche Rolle will es in einem offenen Finanzsystem einnehmen? Will es der Begleiter sein, bei dem der Kunde sein gesamtes Finanzleben überblickt und steuert? Oder will es einer von vielen Produktanbietern sein, deren Daten in der Übersicht eines anderen erscheinen? Diese Frage entscheidet darüber, ob FiDA zur Bedrohung oder zur Chance wird.
Wer die Rolle des Begleiters anstrebt, muss früh beginnen, die nötigen Fähigkeiten aufzubauen, denn dieser Platz wird hart umkämpft sein. Wer abwartet, riskiert, in die Rolle des reinen Produktlieferanten gedrängt zu werden. Wir helfen Ihnen, FiDA nicht als Datenpflicht, sondern als strategische Weichenstellung zu begreifen und Ihre Rolle im offenen Finanzsystem aktiv zu bestimmen. Strategie und Umsetzung aus einer Hand. Beginnen Sie mit einem Workshop.
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