Fast die Hälfte aller deutschen Banken nutzt KI im Kreditgeschäft. Aber nicht dort, wo es zählt.

Fast die Hälfte aller deutschen Banken nutzt KI im Kreditgeschäft. Aber nicht dort, wo es zählt.

Finastra befragte Institute in elf Ländern: Deutsche Banken nutzen KI für Schulung und Fehlerbehebung, kaum aber für die Kreditwürdigkeitsprüfung selbst.

Mai 13, 2026

Transformation

KI im Kreditgeschäft: die ehrliche Bestandsaufnahme

Der Finastra Financial Services State of the Nation 2026, für den Führungskräfte von Banken in elf Ländern befragt wurden, zeichnet ein klares Bild des deutschen Marktes. Nur noch drei Prozent der deutschen Finanzinstitute setzen überhaupt keine KI ein, der Rest ist von der Experimentierphase in die Umsetzung übergegangen. Fast die Hälfte, rund 45 Prozent, nutzt KI-Assistenten und Chatbots zur internen Schulung sowie zur Fehlerbehebung im Kreditgeschäft.

Das klingt nach einer Erfolgsgeschichte, und in gewisser Weise ist es das auch. Die nahezu flächendeckende Einführung zeigt, dass die deutschen Institute KI ernst nehmen und einsetzen. Doch bei genauerem Hinsehen offenbart sich eine bemerkenswerte Lücke: KI wird genau dort eingesetzt, wo sie am wenigsten wehtut, und genau dort kaum, wo sie am meisten zählt.

Wo KI eingesetzt wird und wo nicht

Die KI hilft bei der Schulung und der Fehlerbehebung. Sie schließt Wissenslücken, unterstützt Mitarbeitende bei komplexen Aufgaben und standardisiert Prozesse. Das sind nützliche, aber unkritische Anwendungen. Sie verbessern die internen Abläufe, ohne in die eigentliche Kernentscheidung des Kreditgeschäfts einzugreifen. Für die eigentliche Kreditwürdigkeitsprüfung wird KI dagegen selten eingesetzt.

Das ist verständlich, denn die Kreditwürdigkeitsprüfung ist der sensibelste Teil des Kreditgeschäfts. Sie entscheidet über die Vergabe und die Konditionen, sie berührt den Kunden unmittelbar, und sie unterliegt strengen regulatorischen Anforderungen, denn die Kreditwürdigkeitsbewertung natürlicher Personen zählt zu den Hochrisiko-Anwendungen im Sinne des europäischen KI-Rechts. Die Zurückhaltung ist also kein Versäumnis, sondern oft eine bewusste Vorsicht.

Der pragmatische Ansatz und seine Grenze

Der Befund zeigt einen pragmatischen Ansatz: KI wird zuerst dort eingesetzt, wo schnelle Effizienzgewinne ohne große Risiken möglich sind. Das ist klug als Einstieg, weil es Erfahrung schafft und den Nutzen demonstriert, ohne die sensiblen Bereiche zu gefährden. Die Schulung und die Fehlerbehebung sind genau solche Einstiegspunkte: nützlich, risikoarm, schnell wirksam.

Die Grenze dieses Ansatzes ist, dass er beim Einstieg stehen bleiben kann. Wenn KI dauerhaft nur in den unkritischen Bereichen eingesetzt wird, bleibt das größte Potenzial ungenutzt. Der pragmatische Einstieg sollte deshalb nicht das Ziel sein, sondern der Anfang eines Weges, der schrittweise auch die anspruchsvolleren Anwendungen erschließt, sobald die nötigen Voraussetzungen geschaffen sind.

Der Weg zur Kernanwendung

Der Weg von den unkritischen Anwendungen zur Kreditwürdigkeitsprüfung führt über den Aufbau der Voraussetzungen, die einen verantwortbaren Einsatz erlauben. Dazu gehört die Nachvollziehbarkeit: Die KI muss erklären können, warum sie zu einer bestimmten Einschätzung kommt, denn nur dann lässt sich die Entscheidung rechtfertigen und überprüfen. Dazu gehört die Erfüllung der regulatorischen Anforderungen an Hochrisiko-Anwendungen. Und dazu gehört die wirksame menschliche Kontrolle, die sicherstellt, dass der Mensch die Verantwortung behält.

Wer diese Voraussetzungen aufbaut, kann das Potenzial der KI auch im Kern des Kreditgeschäfts heben, während die Wettbewerber noch in den unkritischen Bereichen verharren. Genau darin liegt die Chance für die Häuser, die den Mut und die Sorgfalt haben, den nächsten Schritt zu gehen. Wir helfen Ihnen, diesen Weg von der unkritischen Anwendung zur verantwortbaren Kernanwendung zu gehen.

Warum die Lücke nicht überrascht, aber zu denken gibt

Die Zurückhaltung bei der Kreditwürdigkeitsprüfung ist nachvollziehbar, aber sie gibt zu denken. Denn dort, wo KI selten eingesetzt wird, liegt zugleich das größte Potenzial. Eine bessere Kreditwürdigkeitsprüfung könnte Risiken genauer einschätzen, Entscheidungen beschleunigen und faire Konditionen ermöglichen. Dass die Institute dieses Potenzial meiden, während sie die unkritischen Anwendungen ausschöpfen, zeigt, dass nicht die Technik der Engpass ist, sondern das Zutrauen, sie in den sensiblen Bereichen verantwortungsvoll einzusetzen.

Genau hier liegt die eigentliche Aufgabe. Es geht nicht darum, KI auch in der Kreditwürdigkeitsprüfung einzusetzen, weil es technisch möglich ist, sondern darum, die Voraussetzungen zu schaffen, unter denen ein solcher Einsatz verantwortbar wäre: Nachvollziehbarkeit der Entscheidungen, Erfüllung der regulatorischen Anforderungen, wirksame menschliche Kontrolle. Wer diese Voraussetzungen schafft, kann das Potenzial heben, das die anderen aus Vorsicht ungenutzt lassen.

Wir helfen Ihnen, KI im Kreditgeschäft über die unkritischen Anwendungen hinaus dort verantwortbar einzusetzen, wo sie zählt, mit der nötigen Nachvollziehbarkeit und Kontrolle für die sensiblen Entscheidungen. Beginnen Sie mit einer Potenzialanalyse.

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