BaFin und EZB erwarten, dass Banken Klimarisiken systematisch in die Kreditvergabe integrieren. Wer das als Zukunftsthema behandelt, liegt falsch.

Mar 28, 2026
Recht
Kein Zukunftsthema mehr
Klimarisiken im Kreditportfolio werden von manchen Banken noch immer als Zukunftsthema behandelt, das man irgendwann angehen wird. Diese Einschätzung ist falsch. Die deutsche Finanzaufsicht und die Europäische Zentralbank erwarten bereits heute, dass Banken Klimarisiken systematisch in ihre Kreditvergabe und ihr Risikomanagement einbeziehen. Was lange eine Erwartung für die Zukunft war, ist zur Anforderung der Gegenwart geworden.
Diese Verschiebung vom Zukunfts- zum Gegenwartsthema ist entscheidend. Eine Bank, die Klimarisiken weiter als ferne Aufgabe behandelt, gerät in Rückstand gegenüber den Erwartungen der Aufsicht und riskiert, bei einer Prüfung mit der Feststellung konfrontiert zu werden, dass ihr Risikomanagement eine zentrale Risikoart vernachlässigt. Die Frage ist deshalb nicht mehr, ob, sondern wie schnell die Bank ihre ESG-Fähigkeit im Kreditgeschäft nachweisen kann.
Was Klimarisiken im Kreditgeschäft bedeuten
Klimarisiken wirken auf das Kreditgeschäft auf zwei Wegen. Der erste sind die physischen Risiken: Überschwemmungen, Stürme, Dürren und andere Folgen des Klimawandels, die die finanzierten Objekte und die finanzierten Unternehmen treffen können. Ein Gebäude in einem überschwemmungsgefährdeten Gebiet, ein Unternehmen, dessen Geschäft von stabilen klimatischen Bedingungen abhängt, tragen ein physisches Klimarisiko, das sich auf ihre Fähigkeit auswirkt, den Kredit zu bedienen.
Der zweite Weg sind die Übergangsrisiken: die Folgen des Übergangs zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft. Ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell auf kohlenstoffintensiven Aktivitäten beruht, kann durch Regulierung, veränderte Nachfrage oder neue Technologien unter Druck geraten. Dieses Übergangsrisiko betrifft die Kreditwürdigkeit ebenso wie das physische Risiko. Eine Bank, die Klimarisiken in ihre Kreditvergabe integriert, muss beide Wege berücksichtigen, denn beide können die Bedienung der Kredite gefährden.
Die Datengrundlage als Herausforderung
Die größte Herausforderung bei der Integration der Klimarisiken ist die Datengrundlage. Um ein Klimarisiko zu beurteilen, braucht die Bank Daten über die Lage und die Beschaffenheit der finanzierten Objekte, über die Geschäftsmodelle der finanzierten Unternehmen und über deren Ausrichtung im Übergang zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft. Diese Daten sind oft nicht vorhanden oder nur mühsam zu beschaffen, und das erschwert die systematische Integration der Klimarisiken erheblich.
Die Bank muss deshalb in ihre Datengrundlage investieren. Sie muss die nötigen Daten beschaffen, sei es von den Kreditnehmern, aus externen Quellen oder durch eigene Erhebung, und sie muss diese Daten in eine Form bringen, die die Beurteilung der Klimarisiken erlaubt. Diese Investition braucht Zeit, und genau deshalb ist es ein Fehler, das Thema als Zukunftsaufgabe zu behandeln. Wer die Datengrundlage erst aufbaut, wenn die Aufsicht den Nachweis verlangt, kommt zu spät.
Der Nachweis gegenüber der Aufsicht
Die Aufsicht erwartet nicht nur, dass die Bank Klimarisiken berücksichtigt, sondern dass sie dies nachweisen kann. Der Nachweis verlangt eine dokumentierte Methodik, die zeigt, wie die Bank Klimarisiken identifiziert, bewertet und in ihre Entscheidungen einbezieht. Eine Bank, die Klimarisiken zwar irgendwie berücksichtigt, dies aber nicht nachvollziehbar dokumentieren kann, erfüllt die Anforderung nicht, denn was nicht nachweisbar ist, zählt für die Aufsicht nicht.
Dieser Nachweis ist anspruchsvoll, weil er eine systematische, dokumentierte Methodik verlangt, nicht eine punktuelle Berücksichtigung. Die Bank muss zeigen, dass sie Klimarisiken durchgängig und konsistent in ihre Kreditvergabe und ihr Risikomanagement einbezieht, von der einzelnen Kreditentscheidung bis zur Steuerung des gesamten Portfolios. Diesen Nachweis aufzubauen ist eine Aufgabe, die Vorlauf braucht, und das ist ein weiterer Grund, jetzt zu beginnen.
Die Rolle der KI bei der Beurteilung
Die Beurteilung von Klimarisiken im Kreditportfolio ist eine datenintensive Aufgabe, die sich kaum manuell bewältigen lässt. Für jeden Kredit, jedes finanzierte Objekt und jedes finanzierte Unternehmen müssen physische und übergangsbezogene Risiken beurteilt werden, und das verlangt die Auswertung großer Datenmengen aus verschiedenen Quellen. Hier kann KI eine wichtige Rolle spielen, weil sie diese Datenmengen auswerten und die Risiken systematisch beurteilen kann, in einer Tiefe und Breite, die manuell nicht zu erreichen wäre.
KI kann etwa die Lage eines finanzierten Objekts mit Daten über physische Klimarisiken verbinden, die Geschäftsmodelle finanzierter Unternehmen auf ihre Anfälligkeit für Übergangsrisiken hin bewerten und die Ergebnisse zu einem Bild des Portfolios verdichten. So entsteht aus der unübersichtlichen Vielzahl der Einzelrisiken eine beurteilbare Gesamtsicht. Die KI macht die systematische Integration der Klimarisiken damit überhaupt erst praktikabel, weil sie die datenintensive Arbeit leistet, die der Nachweis verlangt.
Klimarisiken als Geschäftschance
Es wäre zu kurz gedacht, die Integration der Klimarisiken nur als Last zu sehen, die die Aufsicht auferlegt. Sie ist auch eine Geschäftschance. Eine Bank, die Klimarisiken gut beurteilen kann, trifft bessere Kreditentscheidungen, weil sie Risiken erkennt, die andere übersehen. Sie vermeidet Kredite, die durch Klimarisiken gefährdet sind, und sie kann Kreditnehmer, die ihre Klimarisiken gut steuern, gezielt ansprechen und an sich binden.
Zudem entsteht ein wachsender Markt für die Finanzierung des Übergangs zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft. Unternehmen, die in diesen Übergang investieren, brauchen Finanzierung, und eine Bank, die Klimarisiken und Übergangschancen beurteilen kann, kann diesen Markt bedienen. So wird aus der Fähigkeit, Klimarisiken zu beurteilen, ein Geschäftsvorteil, der über die bloße Erfüllung der aufsichtlichen Anforderung hinausgeht. Wer die Fähigkeit früh aufbaut, erfüllt nicht nur die Anforderung, sondern erschließt ein Geschäft.
Der schrittweise Aufbau
Der Aufbau der ESG-Fähigkeit im Kreditgeschäft muss nicht auf einen Schlag geschehen. Er lässt sich schrittweise gehen, beginnend mit den wesentlichen Risiken und den verfügbaren Daten, und dann ausgeweitet, je mehr Daten und Erfahrung das Institut sammelt. Dieser schrittweise Aufbau erlaubt es, früh zu beginnen und dennoch nicht überfordert zu werden, und er sorgt dafür, dass die Fähigkeit wächst, bevor die Aufsicht den vollen Nachweis verlangt.
Wichtig ist nur, dass der Aufbau jetzt beginnt und nicht weiter aufgeschoben wird. Denn jeder Schritt braucht Zeit, und die Summe der Schritte verlangt einen Vorlauf, den nur hat, wer früh anfängt. Ein Institut, das heute mit dem ersten Schritt beginnt, hat zur Prüfung eine gewachsene Fähigkeit. Eines, das wartet, steht vor der Aufgabe, alles auf einmal aufbauen zu müssen, und scheitert an dieser Überforderung.
Die Verbindung zur Gesamtbanksteuerung
Klimarisiken dürfen nicht isoliert betrachtet werden, sondern müssen in die Gesamtbanksteuerung eingebunden sein. Ein Klimarisiko ist letztlich ein Kreditrisiko, das die Bedienung der Kredite gefährdet, und es muss deshalb mit den übrigen Risiken zusammen betrachtet werden. Eine Bank, die Klimarisiken in einem separaten Silo behandelt, getrennt von ihrer übrigen Risikosteuerung, verfehlt den Zweck, denn die Risiken wirken zusammen und müssen zusammen gesteuert werden.
Diese Einbindung in die Gesamtsteuerung ist anspruchsvoll, aber sie ist der eigentliche Maßstab der Reife. Eine Bank, die Klimarisiken nur formal erfasst, um die Anforderung zu erfüllen, hat sie noch nicht wirklich integriert. Eine Bank, die Klimarisiken als selbstverständlichen Teil ihrer Risikosteuerung behandelt, hat den Punkt erreicht, den die Aufsicht erwartet. Diese vollständige Integration ist das Ziel, und der Weg dorthin führt über die schrittweise Verbindung der Klimarisiken mit der übrigen Steuerung.
Der ehrliche Blick auf den Stand
Der erste Schritt ist ein ehrlicher Blick auf den eigenen Stand. Wie weit ist die Bank bei der Integration der Klimarisiken, welche Daten hat sie, welche Methodik, welchen Nachweis? Dieser Blick zeigt die Lücke zwischen dem heutigen Zustand und den Erwartungen der Aufsicht, und er macht deutlich, wie viel Vorlauf nötig ist. Auf dieser Grundlage lässt sich ein Plan aufstellen, der die Lücke rechtzeitig schließt, bevor die Aufsicht den Nachweis verlangt.
Jetzt handeln
Die Botschaft ist eindeutig: Klimarisiken im Kreditportfolio sind kein Zukunftsthema, sondern eine Anforderung der Gegenwart, und ihre Erfüllung braucht Vorlauf. Wer jetzt die Datengrundlage aufbaut, die Methodik entwickelt und den Nachweis vorbereitet, erfüllt die Erwartungen der Aufsicht, wenn sie geprüft werden. Wer wartet, gerät unter Druck und muss unter Zeitnot nachholen, was sich in Ruhe besser hätte aufbauen lassen.
Wir helfen Ihnen, Klimarisiken systematisch in Ihr Kreditgeschäft zu integrieren und den Nachweis aufzubauen, den die Aufsicht erwartet. Aus der Branche, für die Branche. Beginnen Sie mit einer Potenzialanalyse.
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