FiDA öffnet Versicherungsdaten. Die Branche schläft noch.

FiDA öffnet Versicherungsdaten. Die Branche schläft noch.

FiDA bezieht Nicht-Lebensversicherungsdaten explizit ein. Versicherer haben bis 2027 Zeit zur Positionierung. Die meisten ignorieren das Thema noch.

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Mai 2, 2026

Recht

Open Insurance kommt regulatorisch

Die europäische Regulierung zum Zugang zu Finanzdaten, kurz FiDA, wird formal in den kommenden Jahren erwartet und erstreckt sich ausdrücklich auch auf Nicht-Lebensversicherungsdaten. Policen, Schadendaten und Risikoparameter werden mit Zustimmung des Kunden portabel. Was im Bankenbereich als Open Banking begann und mit der Zahlungsdiensteregulierung zu Open Finance ausgeweitet wird, erreicht damit auch die Versicherung. Open Insurance ist keine ferne Vision mehr, sondern eine regulatorische Tatsache mit absehbarem Zeitplan.

Die Tragweite dieser Entwicklung wird in der Branche noch unterschätzt. Viele Versicherer behandeln FiDA als ein fernes regulatorisches Thema, das sich von selbst klären wird. Doch die Öffnung der Versicherungsdaten verändert die Spielregeln für die Datenhoheit und die Kundenbeziehung grundlegend. Wer die eigenen Daten auf Wunsch des Kunden herausgeben muss, verliert das Monopol auf die Kenntnis seiner eigenen Kunden, und wer die Daten anderer empfangen kann, gewinnt neue Möglichkeiten. Beides verlangt eine Positionierung, die heute beginnen muss.

Was portable Daten konkret bedeuten

Portable Versicherungsdaten bedeuten, dass ein Kunde seinem Versicherer erlauben kann, seine Daten an einen anderen Anbieter oder einen Vermittler weiterzugeben. Ein Makler könnte mit Zustimmung des Kunden dessen gesamten Versicherungsbestand einsehen und vergleichen. Ein konkurrierender Versicherer könnte ein passgenaues Angebot machen, weil er die bestehenden Policen und ihre Konditionen kennt. Die Daten, die bisher beim Versicherer lagen und ihn schützten, werden zu einem Gut, das der Kunde mitnehmen kann.

Das hat zwei Seiten. Die eine Seite ist die Bedrohung: Der eigene Bestand wird angreifbar, weil Wettbewerber mit Zustimmung des Kunden tiefer hineinblicken können als je zuvor. Die andere Seite ist die Chance: Der Versicherer kann selbst die Daten anderer Anbieter empfangen und damit Kunden gewinnen, die er bisher nicht erreichen konnte. Welche Seite überwiegt, hängt davon ab, ob ein Versicherer die Entwicklung verschläft oder sie aktiv gestaltet.

Warum die meisten noch schlafen

Dass die meisten Versicherer das Thema noch ignorieren, hat nachvollziehbare Gründe. Der Zeitplan wirkt noch fern, die regulatorischen Details sind noch nicht in jedem Punkt festgezurrt, und das Tagesgeschäft drängt. Es ist bequem, ein Thema aufzuschieben, dessen volle Wirkung erst in einigen Jahren eintritt. Doch genau diese Bequemlichkeit ist gefährlich, weil die Positionierung für Open Insurance Zeit braucht und nicht in den Monaten vor dem Stichtag nachgeholt werden kann.

Wer sich für Open Insurance aufstellt, muss seine Datenarchitektur darauf vorbereiten, Schnittstellen schaffen, die Datenqualität sichern und eine Strategie entwickeln, wie er die neuen Möglichkeiten nutzt und die neuen Risiken beherrscht. Das ist Arbeit, die Vorlauf braucht. Ein Versicherer, der erst mit dem Stichtag beginnt, hat die Phase verpasst, in der die Spielregeln neu verteilt werden, und reagiert nur noch, statt zu gestalten.

Die Parallele zum Bankenbereich

Die Versicherer können aus dem Bankenbereich lernen, der die Öffnung der Daten bereits durchlebt hat. Dort zeigte sich, dass die Institute, die Open Banking als reine Pflicht behandelten, ins Hintertreffen gerieten, während die Institute, die es als Chance begriffen, neue Geschäftsmodelle entwickelten. Die Daten zu öffnen war unvermeidlich, aber wie man mit der Öffnung umging, machte den Unterschied zwischen Verlierern und Gewinnern.

Dieselbe Lehre gilt für die Versicherer. FiDA kommt, ob sie wollen oder nicht. Die Frage ist nicht, ob die Daten geöffnet werden, sondern wer die Öffnung für sich nutzt. Ein Versicherer, der früh eine Strategie entwickelt, kann die neuen Datenströme nutzen, um bessere Angebote zu machen, neue Kunden zu gewinnen und seine Beratung zu schärfen. Ein Versicherer, der wartet, erlebt die Öffnung als reine Bedrohung seines Bestands.

Drei Risiken, die der Bestand jetzt trägt

Das erste Risiko ist die Abwanderung. Wenn ein Vermittler oder ein Wettbewerber mit Zustimmung des Kunden den gesamten Bestand einsehen kann, wird jeder Vertrag angreifbar. Ein Angebot, das die bestehenden Konditionen genau kennt, ist überzeugender als ein Angebot ins Blaue. Versicherer, die sich auf die Trägheit ihrer Kunden verlassen haben, verlieren diesen Schutz, weil der Wechsel einfacher und das Vergleichen müheloser wird.

Das zweite Risiko ist der Verlust der Datenhoheit. Bisher war der Versicherer der Einzige, der seine Kunden wirklich kannte. Mit der Öffnung verliert er dieses Monopol, denn die Daten fließen auf Wunsch des Kunden auch zu anderen. Das dritte Risiko ist die Trägheit der eigenen Organisation, die das Thema verschläft, während andere sich vorbereiten. Wer als Letzter aufwacht, findet einen Markt vor, dessen Spielregeln andere bereits zu ihren Gunsten gestaltet haben.

Drei Chancen, die nur die Wachen nutzen

Die erste Chance ist die Gewinnung neuer Kunden. Wer die Daten anderer Anbieter empfangen kann, kann Kunden gezielt ansprechen, deren Bedarf er bisher nicht kannte. Die zweite Chance ist die bessere Beratung: Ein Versicherer, der mit Zustimmung des Kunden dessen gesamte Absicherung kennt, kann Lücken aufzeigen und passgenaue Lösungen anbieten, statt im Dunkeln zu beraten. Aus der Datenöffnung wird so ein Beratungsvorsprung.

Die dritte Chance ist die Entwicklung neuer Angebote, die auf den geöffneten Daten aufbauen. Wer früh versteht, welche neuen Produkte und Dienste die Datenströme ermöglichen, kann sie entwickeln, bevor es andere tun. Open Insurance ist damit nicht nur eine Pflicht, sondern ein Feld für Angebote, die es ohne die Datenöffnung nicht geben könnte. Die Wachen nutzen genau dieses Feld, während die Schlafenden nur die Risiken erleben.

Die Datenqualität entscheidet

Ein oft übersehener Punkt ist die Datenqualität. Die Öffnung der Daten nützt nur dem, dessen Daten sauber, vollständig und maschinell verarbeitbar sind. Ein Versicherer, dessen Daten in alten Systemen verstreut, lückenhaft oder uneinheitlich sind, kann weder die eigenen Daten sinnvoll bereitstellen noch die empfangenen Daten gut nutzen. Die Datenqualität wird damit zur Voraussetzung dafür, in der geöffneten Welt überhaupt mitzuspielen.

Genau hier liegt eine stille Aufgabe, die Vorlauf braucht. Die eigenen Datenbestände zu sichten, zu bereinigen und in eine verarbeitbare Form zu bringen ist mühsam und unspektakulär, aber sie ist die Grundlage für alles Weitere. Wer diese Arbeit erst beginnt, wenn die Öffnung da ist, kommt zu spät. Wer sie heute beginnt, schafft die Voraussetzung, die Chancen der Öffnung zu nutzen statt nur ihre Risiken zu erleiden.

Wer den Kunden hält, hält die Daten

Die tiefere Lehre von Open Insurance ist, dass die Datenhoheit zur Kundenhoheit wird. In einer Welt, in der die Daten dem Kunden folgen, hält die Daten, wer den Kunden hält. Versicherer, die eine starke, vertrauensvolle Kundenbeziehung pflegen, müssen die Öffnung der Daten weniger fürchten, weil ihre Kunden keinen Grund haben, die Daten anderswohin zu tragen. Wer die Beziehung vernachlässigt hat, erlebt die Öffnung dagegen als Verlust, weil die Daten mit den Kunden abwandern.

Das verschiebt die strategische Priorität. Es genügt nicht, sich technisch auf FiDA vorzubereiten. Man muss zugleich die Kundenbeziehung so stärken, dass der Kunde gar nicht erst wechseln will. Open Insurance ist damit nicht nur ein Daten- und Technikthema, sondern ein Anlass, die Qualität der eigenen Kundenbeziehung ehrlich zu prüfen. Die Öffnung der Daten belohnt die guten Beziehungen und bestraft die schwachen.

Was jetzt zu tun ist

Der erste Schritt ist, das Thema überhaupt auf die Agenda zu setzen und ihm die strategische Aufmerksamkeit zu geben, die es verdient. Open Insurance ist kein reines IT- oder Rechtsthema, sondern eine strategische Frage, die in die Vorstandsetage gehört. Solange das Thema in der Fachabteilung verharrt, wird es als technische Pflicht behandelt, nicht als strategische Chance.

Der zweite Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme: Wie gut sind die eigenen Daten aufbereitet, wie weit ist die Datenarchitektur, welche Schnittstellen fehlen? Der dritte Schritt ist die Strategie: Wie schützt man den Bestand, und wie nutzt man die neuen Möglichkeiten? Wir helfen Ihnen, diese Schritte zu gehen, bevor der Stichtag Sie einholt. Aus der Branche, für die Branche. Beginnen Sie mit einem Workshop.

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