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Jeder Vierte geht: Wie Sparkassen Schlüsselwissen sichern

Jeder Vierte geht: Wie Sparkassen Schlüsselwissen sichern

Bis 2030 scheidet rund ein Viertel der Sparkassen-Belegschaft aus. Wie Häuser das Wissen sichern, bevor es mit dem Ruhestand verschwindet.

Kernaussage

Der Generationswechsel kostet ein Haus nicht Stellen, sondern Schlüsselwissen. Wer das kritische Wissen erst beim Abschied sucht, übergibt nichts mehr, sondern rekonstruiert es teuer.

Konsolidierung

3 min Lesezeit

Die wichtigsten Erkenntnisse

Ein Viertel geht bis 2030 in Rente

Wissen muss vorher gesichert werden

Sonst verschwindet es mit dem Ruhestand

Jeder Vierte geht. Das Wissen geht mit.

In vielen Sparkassen sitzt das wichtigste Kapital in den Köpfen der Menschen, die bald in Rente gehen. Die zentrale Aufgabe der kommenden Jahre ist nicht der Ersatz von Stellen, sondern die Sicherung von Schlüsselwissen, bevor es mit dem Ruhestand einer ganzen Generation das Haus verlässt. Wer erst reagiert, wenn die erfahrene Kollegin weg ist, reagiert zu spät.

Die Dimension ist bekannt. Nach internen Berechnungen der Sparkassen scheidet bis 2030 rund ein Viertel der Belegschaft altersbedingt aus, berichtet das IT-Finanzmagazin. Zugleich rechnet die Finanz Informatik damit, dass durch KI-gestützte IT-Prozesse ab 2026 über rund 340 Sparkassen hinweg etwa 5.800 Vollzeitstellen wegfallen könnten. Der demografische Abgang ist dabei der größere Hebel als die Technik.

Warum der Stellenabbau nicht das eigentliche Problem ist

Ludger Weskamp, Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes, nennt die Verwerfungen beherrschbar, weil die Demografie den technischen Effekt überlagert. Das stimmt für die reine Kopfzahl. Für die Handlungsfähigkeit stimmt es nicht automatisch. Denn wer geht, nimmt nicht nur eine Planstelle mit, sondern Erfahrung, Kundenbeziehungen und ungeschriebenes Prozesswissen.

Dieses Wissen steht in keinem Handbuch. Es entscheidet aber täglich darüber, wie schnell ein Kreditfall bearbeitet, ein Sonderfall gelöst oder ein Kunde gehalten wird. Fällt es weg, sinkt die Leistung, auch wenn die Stelle nachbesetzt ist.

Was Schlüsselwissen im Haus hält

Wissen sichern heißt, es aus den Köpfen in eine nutzbare Form zu bringen. Drei Schritte tragen. Erstens die kritischen Wissensträger identifizieren, also die Menschen, deren Ausfall den größten Schaden anrichten würde. Zweitens ihr Wissen strukturiert erfassen, bevor sie gehen, statt in einem hektischen Übergabegespräch am letzten Arbeitstag. Drittens dieses Wissen abrufbar machen, damit die Nachfolger es tatsächlich finden.

Genau an dieser Stelle wird KI zum Hebel. Ein gut gepflegter, durchsuchbarer Wissensspeicher macht dokumentiertes Erfahrungswissen im Alltag auffindbar. Der Nutzen entsteht aber erst, wenn die Organisation das Werkzeug annimmt, nicht durch die Bereitstellung allein. Warum bereitgestellte KI oft ungenutzt bleibt, zeigen wir in Das Tool ist da, keiner nutzt es.

Der demografische Wandel ist planbar

Anders als ein Marktschock kommt der Ruhestand mit Ansage. Jede Sparkasse weiß, wer in den nächsten fünf Jahren geht. Diese Vorhersehbarkeit ist die Chance. Wer heute beginnt, das Wissen der abgebenden Generation zu sichern und die Prozesse dahinter zu verschlanken, verliert weniger Leistung als das Haus, das den Abgang aussitzt.

Was der Verlust konkret kostet

Der Preis fehlenden Wissens zeigt sich nicht in der Bilanz, sondern im Alltag. Ein Kreditfall, der früher in Minuten entschieden wurde, dauert plötzlich Tage, weil niemand mehr die Sonderregel kennt. Ein langjähriger Kunde wechselt, weil sein vertrauter Ansprechpartner geht und der Nachfolger die Historie nicht kennt. Solche Verluste summieren sich leise und werden selten einer Ursache zugeordnet.

Deshalb ist Wissenssicherung keine Aufgabe für die Personalabteilung allein, sondern eine strategische Frage für die Geschäftsleitung. Sie entscheidet darüber, ob ein Haus seine Leistungsfähigkeit über den Generationswechsel hinweg hält oder mit jedem Ruhestand ein Stück davon verliert.

Der erste Schritt: das kritische Wissen sichtbar machen

Bevor ein Haus Werkzeuge einführt, sollte es wissen, wo sein Schlüsselwissen sitzt und wie gefährdet es ist. Dieses Bild entsteht nicht am Schreibtisch, sondern im Gespräch mit den Fachbereichen. In einer Potenzialanalyse Digitales Wissen, Organisation und Change machen wir sichtbar, welches Wissen zuerst zu sichern ist und wie es abrufbar bleibt. Je früher dieses Bild vorliegt, desto mehr Zeit bleibt, das Wissen geordnet zu übergeben statt es in letzter Minute zu retten. Sprechen Sie uns an, bevor die nächste Welle altersbedingter Abgänge anläuft.

Dominik Winkel

Gründungspartner Sotica. Partner für Wandel in der Finanzbranche, seit über 15 Jahren in der Branche.

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