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Fusion: Die Datenmigration entscheidet früher, als alle denken

Fusion: Die Datenmigration entscheidet früher, als alle denken

Fusionen scheitern selten am Vertrag, oft an den Daten. Warum die Migrationsfragen früh entschieden werden müssen und worin die Chance liegt.

Kernaussage

Über das Tempo einer Fusion entscheiden fachliche Datenfragen, nicht die Technik. Wer Dubletten und Zuständigkeiten erst am Migrationswochenende klärt, trägt die Altlasten ins neue Haus.

Isometrische Illustration zweier Gebäude, deren Verbindungsrampe mitten in der Luft abbricht: über das Fusionstempo entscheiden fachliche Datenfragen.

Konsolidierung

3 min Lesezeit

Die wichtigsten Erkenntnisse

Fachliche Datenfragen fallen vor der Technik.

Altlasten wandern ungefiltert ins neue Haus.

Die Migration ist der billigste Bereinigungsmoment.

Die Fusion ist beschlossen. Die Daten sind es nicht.

Juristisch ist eine Fusion in Monaten erledigt. Danach beginnt der Teil, der wehtut. Über das Tempo einer Bankfusion entscheidet die Datenmigration: Wer Datenqualität, Dubletten und Zuständigkeiten erst zur technischen Fusion klärt, verliert Monate und trägt die Altlasten ins neue Haus.

Der Takt der Konsolidierung bleibt hoch. Nach dem Jahresbericht des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) lag die Zahl der selbstständigen Genossenschaftsbanken Ende 2025 bei 646 Instituten, 26 weniger als im Vorjahr, allesamt durch Fusionen. Jede dieser Fusionen führt irgendwann zwei Datenbestände zusammen, die über Jahrzehnte unterschiedlich gepflegt wurden.

Warum die Migration früher beginnt, als der Projektplan glaubt

Im Projektplan steht die technische Fusion am Ende: erst Beschluss, dann Organisation, dann Systeme. Faktisch fallen die entscheidenden Weichen früher. Welches Haus führt das Kundenstammdatenmodell? Nach welchen Regeln werden Dubletten zusammengeführt, wenn dieselbe Kundin in beiden Häusern mit unterschiedlichen Adressen geführt wird? Wer entscheidet, welche der beiden Vertragshistorien führend ist? Diese Fragen sind fachlich, nicht technisch. Wer sie dem Migrationswochenende überlässt, entscheidet sie unter Zeitdruck und nach Zuruf, und korrigiert die Folgen anschließend jahrelang im laufenden Betrieb.

Dazu kommt die Qualität der Ausgangsdaten. Veraltete Adressen, unvollständige Legitimationen, tote Konten, historisch gewachsene Sonderfälle: All das wandert ungefiltert mit, wenn es vor der Migration niemand bereinigt. Das neue Haus startet dann mit den addierten Altlasten beider Vorgänger, und jede spätere Auswertung, jede Vertriebskampagne und jeder Meldeprozess arbeitet auf diesem Fundament.

Datenbereinigung ist Fachbereichsarbeit mit Frist

Die Rechenzentrale liefert für die technische Zusammenführung erprobte Verfahren, wie wir in unserer Analyse zur Kernbankmigration beschrieben haben. Was sie nicht liefern kann, sind die fachlichen Entscheidungen des Hauses: welche Kundendaten aktuell sind, welche Verträge zusammengehören, welche Sonderkonditionen fortgeführt werden. Diese Arbeit gehört in die Fachbereiche, mit klaren Zuständigkeiten je Datendomäne und einem Terminplan, der vor der Migration endet, nicht mit ihr.

Bewährt hat sich eine einfache Struktur: je Datendomäne ein verantwortliches Tandem aus beiden Häusern, ein gemeinsames Regelwerk für Zusammenführung und Bereinigung, ein wöchentlich gemessener Fortschritt mit einer Kennzahl je Domäne, etwa dem Anteil vollständiger und aktueller Kundenstammdaten. Das ist unspektakulär, und genau darin liegt der Punkt: Datenmigration wird beherrschbar, wenn sie als geführtes Arbeitspaket läuft statt als technisches Restrisiko.

Die Migration ist eine Gelegenheit, die nicht wiederkommt

Eine Fusion zwingt zu einer Datenprüfung, die sich sonst nie jemand vornimmt. Genau darin liegt die Chance: Das fusionierte Haus kann mit einem Kundenbestand starten, der sauberer ist als der jedes Vorgängerhauses. Saubere Stammdaten, geklärte Familien- und Firmenverbünde und vollständige Legitimationen sind die Grundlage für alles, was nach der Fusion Wachstum bringen soll, vom Vertrieb bis zu jedem späteren Einsatz von Automatisierung und Künstlicher Intelligenz. Was nach dem Zusammenschluss auf dieser Grundlage möglich wird, haben wir im Beitrag Nach der Fusion beschrieben.

Umgekehrt gilt: Eine verschleppte Bereinigung holt das Haus wieder ein, mit Mehraufwand in jedem Folgeprojekt. Die Migration ist der billigste Zeitpunkt, Datenqualität herzustellen. Jeder spätere ist teurer.

Der nächste Schritt

Für Häuser vor oder in einer Fusion klärt die Potenzialanalyse Fusion, Harmonisierung & Konsolidierung an einem Tag, wo die Datenzusammenführung steht, welche Entscheidungen offen sind und wer sie bis wann trifft. Ein belastbares Bild statt böser Überraschungen im Migrationsjahr. Nach der Fusion ist vor dem Wachstum. Aber nur mit Daten, auf die das neue Haus bauen kann.

Dominik Winkel

Gründungspartner Sotica. Partner für Wandel in der Finanzbranche, seit über 15 Jahren in der Branche.

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