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Firmenkredit: Die Durchlaufzeit stirbt zwischen den Stationen

Firmenkredit: Die Durchlaufzeit stirbt zwischen den Stationen

Schnelle Sachbearbeitung, langsamer Kredit: Warum Liegezeiten zwischen den Stationen entscheiden und welche drei Eingriffe die Durchlaufzeit halbieren.

Kernaussage

Ein Kredit verliert seine Zeit zwischen den Stationen, nicht in der Bearbeitung. Wer Übergaben und Rückschleifen nicht abstellt, verlängert mit zusätzlichem Personal nur die Warteschlange.

Isometrische Illustration eines Sachbearbeiterplatzes neben zwei identischen Ablagetuermen: doppelte Wege verlaengern die Bearbeitung.

Prozesse

3 min Lesezeit

Die wichtigsten Erkenntnisse

Liegezeit schlägt Bearbeitungszeit.

Mehr Personal verkürzt Warteschlangen nicht.

Erst Rückschleifen abstellen, dann automatisieren.

Die Bearbeitung ist schnell. Der Kredit trotzdem langsam.

Niemand in der Bank arbeitet zu langsam. Und der Kunde wartet trotzdem wochenlang. Die Durchlaufzeit eines Firmenkredits sinkt nicht durch schnellere Sachbearbeitung, sondern durch weniger Übergaben: Liegezeiten zwischen Markt, Marktfolge und Votierung machen den Unterschied zwischen Tagen und Wochen.

Diese Lücke ist seit Jahren dokumentiert. Schon die Studie Kreditprozesse der Zukunft von Horváth & Partners aus dem Jahr 2019 zeigte: Bei mehr als der Hälfte der Institute liegt die reine Bearbeitungszeit einer gewerblichen Kreditanfrage unter einem halben Tag, trotzdem warteten Unternehmen in 26 Prozent der Fälle länger als zehn Tage auf die Auszahlung. Die Arbeit ist schnell. Der Prozess ist es nicht.

Wo die Zeit wirklich bleibt

Ein gewerblicher Kreditantrag durchläuft in einer typischen Genossenschaftsbank sechs bis zehn Stationen: Berater, Kreditassistenz, Marktfolge, Votum, gegebenenfalls Kompetenzträger, zurück zum Berater, zur Vertragserstellung, zur Auszahlungskontrolle. An jeder Übergabe entsteht eine Warteschlange. Der Vorgang liegt, bis die nächste Station Kapazität hat, und bei jeder Rückfrage beginnt die Schleife von vorn.

Die häufigste Rückschleife ist die Unterlagenanforderung. Fehlt eine aktuelle BWA oder der Nachweis zur Sicherheit, wandert der Fall zurück an den Markt, der Kunde wird angeschrieben, der Vorgang wartet. Eine einzige Nachforderung kostet in der Praxis eine Woche. Zwei Nachforderungen kosten den Monat.

Warum mehr Personal das Problem nicht löst

Der Reflex, Engpässe mit Kapazität zu beantworten, greift hier nicht. Wer die Marktfolge verstärkt, verkürzt eine Warteschlange von mehreren. Die Liegezeiten an den übrigen Stationen bleiben, ebenso die Rückschleifen. Deshalb verpufft zusätzliches Personal in Prozessen mit vielen Übergaben regelmäßig, wie wir grundsätzlicher in unserer Analyse zu Durchlaufzeiten und Übergaben gezeigt haben.

Wirksam ist das Gegenteil: Stationen zusammenlegen. Fallabschließende Bearbeitung, bei der ein Team einen Standardkredit von der Anfrage bis zur Auszahlung führt, streicht Übergaben ersatzlos. Vollständigkeitsprüfung am Eingang statt in der Marktfolge verhindert die teuerste Rückschleife, bevor sie entsteht.

Digital hilft nur, was Übergaben beseitigt

Auch bei der Technik gilt der Maßstab: Reduziert sie Übergaben oder beschleunigt sie nur das Weiterreichen? Ein digitaler Antrag, der unvollständig eingereicht werden kann, digitalisiert die Nachforderung gleich mit. Eine automatische Vollständigkeits- und Datenprüfung am Eingang, Kapitaldienstrechnung aus eingelesenen Unterlagen und ein Votum, das bei Standardfällen regelbasiert fällt, nehmen dagegen ganze Stationen aus dem Weg.

Für Genossenschaftsbanken kommt ein Verbundvorteil dazu: Viele dieser Bausteine müssen nicht selbst gebaut, sondern konsequent eingeführt und auf den eigenen Prozess eingestellt werden. Die Lücke liegt selten am Werkzeug, sondern an Prozessen, die um das Werkzeug herum unverändert bleiben. In welchem Rahmen sich solche Eingriffe rechnen, haben wir im Beitrag zu Prozesskosten in Banken beschrieben.

Der erste Schritt: die Liegezeit sichtbar machen

Kaum ein Haus kennt seine tatsächliche Durchlaufzeit je Kreditart, aufgeteilt in Bearbeitungszeit und Liegezeit. Genau diese Messung ist der Startpunkt: zwanzig reale Fälle nachverfolgen, Stationen und Wartezeiten notieren, Rückschleifen zählen. Das Ergebnis passt auf eine Seite und benennt den Engpass präziser als jede Diskussion im Führungskreis.

Danach ist die Reihenfolge klar: erst Rückschleifen abstellen, dann Stationen zusammenlegen, dann automatisieren. Wer in dieser Reihenfolge arbeitet, halbiert Durchlaufzeiten ohne eine einzige neue Stelle. Der Firmenkunde merkt den Unterschied beim nächsten Antrag. Und erzählt es weiter.

Der nächste Schritt

Die Potenzialanalyse Prozesse, Optimierung & Effizienz macht an einem Tag sichtbar, wo im Kreditprozess des eigenen Hauses die Zeit liegt und welche drei Eingriffe die größte Wirkung bringen. Mit Mengengerüst, Priorisierung und einem Fahrplan, der im eigenen Haus umsetzbar ist. Wandel braucht Struktur. Der Kreditprozess ist ein guter Ort, um damit anzufangen.

Dominik Winkel

Gründungspartner Sotica. Partner für Wandel in der Finanzbranche, seit über 15 Jahren in der Branche.

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